{"id":203,"date":"2016-12-30T10:56:34","date_gmt":"2016-12-30T10:56:34","guid":{"rendered":"http:\/\/ts.meusebach.de\/?page_id=203"},"modified":"2024-04-07T08:01:37","modified_gmt":"2024-04-07T08:01:37","slug":"spatzenbann","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/ts.meusebach.de\/?page_id=203","title":{"rendered":"Spatzenbann"},"content":{"rendered":"<p><b><span class=\"Textfelder\">Seit ich denken kann, wird mir, sobald bekannt wird, dass ich aus Meusebach bin, die gleiche Frage gestellt:<br \/>\nStimmt es denn, dass es in Meusebach keine Spatzen gibt?<br \/>\n<\/span><\/b>Bei meiner Besch\u00e4ftigung mit der Geschichte von Meusebach bin ich in einem alten B\u00fcchlein auf eine recht ausf\u00fchrliche Variante der Sage vom Sperlingsbann gesto\u00dfen, die in sp\u00e4teren Jahren dann etwas verk\u00fcrzt in verschiedenen Sagensammlungen auftaucht.<br \/>\nEbenso wie es die Spatzen getan haben.<\/p>\n<p><b><span class=\"Textfelder\">Neben mir k\u00f6nnen sich viele daran erinnern, dass es bis in die 1980er Jahre Spatzen gab, w\u00e4hrend sie dann verschwunden schienen. Im Jahre 2000 erschienen sie allerdings wieder auf der Bildfl\u00e4che und sind, nicht zuletzt dank der <a href=\"http:\/\/meusebach.de\/jalben\/Silvester2005\/album\/index.html\" data-wplink-edit=\"true\">Hilfe der Tissaer Freunde<\/a>, wieder im Dorf pr\u00e4sent.<\/span><\/b><\/p>\n<p>Um jedoch den allen bekannten \u201cStatus\u201d des \u201cDorfes ohne Spatzen\u201d nicht zu verlieren, wird dies von uns nat\u00fcrlich energisch geleugnet.<\/p>\n<p>Hier nun die Sage:<\/p>\n<h2><strong>Der Sperlingsbann in Meusebach<\/strong><br \/>\n(aus \u201cHolzlandsagen\u201d von Kurt Gre\u00df, 1898)<\/h2>\n<p><b>The Meusebach Sparrows Spell in English <a href=\"http:\/\/ts.meusebach.de\/?page_id=208\">here!<\/a><\/b><\/p>\n<p>Seit Menschengedenken und weit dar\u00fcber hinaus ist in dem Dorfe Meusebach kein einziger Sperling gesehen worden. Keiner dieser in St\u00e4dten und D\u00f6rfern so zahlreich verbreiteten V\u00f6gel baut dort sein Nest, noch nistet er dort, wenn man ihn dahingebracht hat. Es ist, als wenn das Geschlecht der Spatzen einen un\u00fcberwindlichen Widerwillen gegen das Walddorf und seine Umgebung h\u00e4tte, als triebe die kleinen Gesch\u00f6pfe eine geheime, unergr\u00fcndbare Macht, das Gebiet des Dorfes \u00e4ngstlich zu meiden. Denn ein Meusebacher w\u00fcrde sich nicht mehr wundern, wenn ein buntgefiederter, kreischender Papagei \u00fcber das Dorf hinfl\u00f6ge, als wenn ein munterer Sperling sein \u201cSchuck, schuck\u201d pl\u00f6tzlich vor einer Scheuer h\u00f6ren lie\u00dfe.<br \/>\n<span class=\"Textfelder\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-204 size-full\" src=\"http:\/\/ts.meusebach.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Sperlingsbannkl.jpg\" width=\"400\" height=\"548\" srcset=\"https:\/\/ts.meusebach.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Sperlingsbannkl.jpg 400w, https:\/\/ts.meusebach.de\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Sperlingsbannkl-219x300.jpg 219w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><br \/>\n<\/span>Das aber soll also zugegangen sein:<br \/>\nIn Meusebach wohnte einmal ein Schulze, der hie\u00df Leonard und hatte einen Sohn, welcher zuerst das alte Herkommen verachtet und, statt daheim zu bleiben in seinem kleinen Dorfe bei Vater und Mutter, auf und davon ging in die weite Welt. Lange nun wusste kein Mensch im Dorfe etwas von des Schulzen Sohn, und niemand k\u00fcmmerte sich um den Fortgegangenen, noch gr\u00e4mte sich jemand sehr um sein Scheiden und Ausbleiben. Nur seine Eltern und Geschwister dachten manchmal an ihn und sprachen wohl auch des Sommerabends vor der Haush\u00fctte auf der Bank oder an langen Winterabenden in der warmen Stube von dem fernen Sohne und Bruder.<br \/>\nDa nach langen, langen Jahren kam er wieder heim und war kaum wiederzuerkennen, so sonnenverbrannt und ver\u00e4ndert war er und so wild sah er aus. Aber er war reich geworden, unermesslich reich und war weit in der Welt herumgekommen.<br \/>\nNun traf es sich aber gerade, dass am Tage darauf, nachdem er heimgekehrt war, die Hochzeit seiner j\u00fcngsten Schwester mit einem reichen Burschen aus dem Dorfe gefeiert wurde. Der reiche Bruder schenkte der Braut zu diesem Feste ein kleines K\u00e4stchen, aus welchem, als es ge\u00f6ffnet wurde, zwei kleine V\u00f6gel zwitschernd herausflogen, welche er Sperlinge nannte und an denen nicht nur seine Schwester, sondern das ganze Dorf seine Freude hatte.<br \/>\nAllein nicht viele Jahre vergingen, als die Sperlinge sich in erschreckender Weise vermehrt hatten, und mit jedem Jahre wuchs die Anzahl der V\u00f6gel immer mehr und mehr, so dass die Sperlinge wegfra\u00dfen, was die Bauern ges\u00e4et hatten, und Felder, B\u00e4ume und Wiesen derma\u00dfen verheerten, dass die Bauern statt ihrer Ernte nur das leere Nachsehen hatten.<br \/>\nAllerlei Mittel wurden angewandt , die gefr\u00e4\u00dfigen Tiere zu vertreiben, aber keines half, und die Verlegenheit der Bauern wurde immer \u00e4rger und gr\u00f6\u00dfer. Da, als ihre Not am gr\u00f6\u00dften war, kam ein J\u00e4gerbursche ins Dorf gewandert, ein lustiger, gewandter Gesell in gr\u00fcner Waidmannstracht, der wohl bewandert war in allerlei K\u00fcnsten und, als er die Verzweiflung der Bauern sah, ihnen zu helfen versprach, wenn man ihm erlauben wollte, aus den sch\u00f6nen Wiesen Holz und Wald zu machen und \u00fcberall B\u00e4ume anzupflanzen.<br \/>\nDas gaben nun die ge\u00e4ngstigten Meusebacher von Herzen gern zu, wenn sie dadurch nur vom Meister Spatz und seiner Familie befreit w\u00fcrden.<br \/>\nDer J\u00e4gerbursch aber kaufte zwei Wagen Fichtensamen und einen Wagen Bucheckern, die s\u00e4te und pflanzte er unter kr\u00e4ftigen Bannspr\u00fcchen viele Tage lang auf den weiten Feldern und Wiesen. Und siehe da, als das letzte Feld bes\u00e4et war, da waren auch die Sperlinge weg und verschwunden auf Nimmerwiedersehen. Denn er hatte den Spatz und seine ganze Sippe auf so viele Jahre verbannt, als er Samenk\u00f6rnchen ausgestreuet und B\u00e4ume gepflanzt hatte. So wird es denn noch eine geraume Zeit dauern, ehe des J\u00e4gerburschen Zauber gebrochen wird und die ersten Sperlinge wieder in Meusebach ihren Einzug halten. Wir wenigstens werden es wohl nicht erleben.<br \/>\n<strong>Die Illustration ist von Hans Wiegant entnommen aus dem Buch \u201cHolzlandsagen\u201d, Heinicke \/ Ost, Jena 1968<\/strong><\/p>\n<p><b>The Meusebach Sparrows Spell <a href=\"http:\/\/ts.meusebach.de\/?page_id=208\">here!<\/a><br \/>\n<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit ich denken kann, wird mir, sobald bekannt wird, dass ich aus Meusebach bin, die gleiche Frage gestellt: Stimmt es denn, dass es in Meusebach<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"template-fullwidth.php","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"class_list":["post-203","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/ts.meusebach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/203","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/ts.meusebach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/ts.meusebach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ts.meusebach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/ts.meusebach.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=203"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/ts.meusebach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/203\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1541,"href":"https:\/\/ts.meusebach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/203\/revisions\/1541"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/ts.meusebach.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=203"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}